Vom Familien-Abenteuer ins Freeride-Abenteuer

Mein Board am Rücken fühlt sich schwerer als sonst an. Ich wage einen kurzen Blick nach unten und entscheide mich dann doch schnell wieder nach oben zu den zwei Jungs zu schauen, die ich erst seit heute Früh kenne. Die zwölf Meter, die zwischen meinen Boots und dem Schnee liegen, spüre ich in der Magengegend. Trotzdem lasse ich mich nicht unterkriegen und nehme die nächste Sprosse. Doch ich fang mal von vorne an …

Heute erwartet mich ein spezielles Abenteuer. Zu Weihnachten habe ich von meiner Liebsten ein Ski amadé – made my day Package geschenkt bekommen. Von all den spannenden Angeboten hat sie für mich das „Dachstein Adventure“ ausgewählt, welches einige ganz besondere Highlights zu bieten hat, wie ich noch erfahren werde.

 

Aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten erwache ich schon bevor mich unser Krümel in der Früh weckt. Ich mach mich fertig, packe meinen Stuff und kurz darauf stehen das Fräulein, der Krümel und ich bereit zur Abfahrt. Online hab ich gelesen, was mich erwarten wird, Varianten-Rucksack mit alpiner Notfallausrüstung ist gepackt, Lawinenlagebericht gecheckt und auch das optimale Outfit angezogen. Da es in der Früh noch besonders frostig ist und sich laut Wettervorhersage die schneidige Kälte auch im Laufe des Tages nicht allzu sehr verändern soll, bringen wir den MiniMe spontan zur Oma und machen uns voller Vorfreude auf den Weg nach Ramsau am Dachstein. Dort treffen wir uns mit den anderen Teilnehmern und unserem Guide vorm „Alpinecenter Dachstein“. Nach einer gleich sehr angenehmen Begrüßung und einem kurzen Kennenlernen checken wir noch alle unsere Ausrüstung, wobei unser erfahrener Skiführer und Guide noch manche aus unserer Crew mit aktuellen Verschüttetensuchgeräten und Sonden aus dem Alpincenter ausstattet – Safety First!

Dann geht’s auch schon auf zur Talstation Türlwand. Dort steigen wir gemeinsam in die erste Panoramagondel. Nach kurzer Zeit ist die Stimmung in der Gruppe gelöst und freundschaftlich und nicht nur ich versprühe kindliche Ungeduld.

 

Am Gletscher angekommen nützen wir die Gelegenheit auf die „Treppe ins Nichts“ zu treten und einige Fotos zu machen- die Aussicht ist Hammer. Dann geht’s ins Panoramarestaurant, wo wir ein sehr leckeres und ausgiebiges Frühstück genießen- wir haben ja noch einiges vor. Anschließend nehmen wir den kurzen Weg durch den Schnee zum Eispalast, in dem wir tief im Inneren des Dachstein Gletschers eine geheimnisvolle Welt aus Eis und Schnee entdecken. Faszinierend was die Macher hier geschaffen haben. Leider verlässt uns mein Fräulein danach, um unseren Krümel wieder von der Oma abzuholen, aber die Vorfreude auf das zu Erwartende tröstet mich darüber hinweg.

Für uns Übriggebliebenen beginnt jetzt das richtige Abenteuer. Wir nehmen einen kurzen Parkrun mit und hiken dann zur circa 15 Meter hohe Leiter zum Rosmarinstollen. Von unten sehe ich erstmal etwas skeptisch senkrecht die Wand hoch. Glücklicherweise bin ich schwindelfrei und so folge ich den anderen, Sprosse für Sprosse. Wir sind zwar am Seil gesichert, je weiter ich aber nach oben komme, desto mulmiger wird mir – Der Klettersteig ringt mir alles an Konzentration ab, ist aber ein absolutes Erlebnis. Trittsicher und wagemutig sollte man schon sein für diese Tour, eine anspruchsvolle Abfahrt im Gelände sollte auch kein Problem darstellen, dann wird man aber belohnt mit einem Abenteuer deluxe.

Oben angekommen erwartet mich ein Wahnsinnspanorama. Gleich geht’s weiter durch den Stollen auf die andere Seite des Berges und ich sehe zum ersten Mal eine der schönsten und längsten Freeride-Abfahrten der Alpen. Erneut spüre ich einen Hauch von Nervosität in mir aufkeimen und bin froh, dass die Premiere am Dachstein Gletscher von einem Guide begleitet wird. Wir besprechen unsere Lines, die Reihenfolge sowie die Safety-Stopps und dann droppt der erste schon in den Hang ein. Wir spotten uns gegenseitig und ich fühle mich top vorbereitet und sicher. Somit kann ich den sportlichen Höhepunkt diesen Winters voll und ganz genießen.

Dann geht’s auch schon los. Ich starte meine erste Abfahrt über das „Edelgrieß“ Richtung Ramsau-Ort. Wir haben Glück und finden neben fabelhaften Schneeverhältnissen sogar immer wieder etwas Pow. Anfänglich steil und felsdurchsetzt öffnet sich dann der Hang und bietet unverspurte Schneefelder, die wir einzeln zerpflügen. Jeder Spray und jeder Powder-Slash, der den Schnee aufstauben lässt, wird bejubelt und abgelichtet. Den anderen dabei zuzusehen macht beinah so viel Spaß, wie selber seine Line in den Pulver zu ziehen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und das Highlight des Tages als ich dran bin und als erster meine Spur in einen exponierten Hang ziehe. Von Safety-Stop zu Safety-Stop wechseln wir natürlich durch und somit kommt jeder einmal in den Genuss, seine Turns in den virgin Pow zu setzen.

Unten angekommen verabschiede ich mich von meinen Mitstreitern, es gibt noch eine Bro-Fist und wir tauschen unsere Nummern, um die entstandenen Pics zu tauschen. Meine Mitstreiter beenden den Tag mit entspanntem Aprés Ski in der Hohenhaus Tenne in Schladming. Selbst mache ich mich auf die Heimreise und freue mich darauf, den adrenalinreichen Tag mit meiner kleinen Familie auf der Couch ausklingen zu lassen.

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