DIE PIEFKE SAGA V – EINE AUSSÖHNUNG

Der Österreicher ist von Natur aus eher skeptisch bis ablehnend Neuem gegenüber. Das gilt solange, bis er sich langsam daran gewöhnt, vielleicht sogar die Vorteile dessen erkannt hat und es schließlich sogar mag (auch wenn es ihm mitunter schwer fällt, das zuzugeben).

Die Piefke Saga

Felix Mitterer brachte das Dilemma anhand des deutsch-österreichischen Tourismus’ in seiner vierteiligen TV-Satire “Die Piefke Saga” auf den Punkt: Der deutsche Unternehmer Karl-Friedrich Sattmann verbringt mit seiner Gattin Else und Anhang den Urlaub in Tirol, wo konservativ-hintzerfotzige (= intrigant, hinterlistig) Einheimische nur darauf warten dem überheblich-arroganten “Eindringling” das Geld aus der Tasche zu ziehen. Witzig fanden das bei Erstausstrahlung bei weitem nicht alle – egal ob “Ösi” oder “Piefke” –, sehenswert ist die Reihe genau deshalb.

Mittlerweile freut sich der gemeine Österreicher in den Tourismusgebieten über den Austausch (die Auslegung reicht hier von kulturell bis sexuell) mit dem vor allem saisonal pilgernden Deutschen, eine Win-Win-Situation. Eins beschäftigt ihn aber bis heute:

“Warum gibt man so viel Geld für einen einzigen Skiurlaub aus? Des is doch irre!”

Diese recht unreflektierte Frage von im Skigebiet aufgewachsenen Menschen, die den Luxus ihrer ländlichen Herkunft für selbstverständlich halten, ist fast ein bisschen…wie soll man sagen… überheblich, vielleicht sogar arrogant. Und obwohl ich selbst seit 2008 in Deutschland, quasi bei den “Piefkes” lebe, und es eigentlich besser wissen müsste, hatte ich diesen Gedanken zugegebenermaßen schon öfter – bis zu diesem einen Wochenende vor etwa drei Jahren:

Mein Schwiegervater hatte seinen 60er, zu dem er sich ein Skiwochenende mit der Familie wünschte. Der Winter in meiner Wahlheimat München war zu dem Zeitpunkt matschig, kalt und grau – den Großteil der Tage lag eine dicke Nebeldecke über der Stadt und mein Vitamin D Spiegel war im Keller. Insofern hatten wir nichts zu verlieren, auch wenn es nicht ganz einleuchtete, wo anders teuer für Unterkunft und Lifttickets zu bezahlen, wenn man doch das heimische Skigebiet vor der Tür hat. Der Geburtstag ging vor eigene Animositäten und so machten wir uns auf den Weg in unseren ersten Skiurlaub überhaupt.

Die Ankunft am späten Nachmittag fühlte sich etwas merkwürdig an, immerhin hatte ich ja nun selber die Position vom Winterurlauber und schlüpfte mehr als klischeehaft sofort in die “Piefke”-Rolle: Ich war ganz kritisch, verglich Preise und Servicequalität unseres Hotels, nahm das Wellness-Angebot genauestens unter die Lupe und beäugte das verständlicherweise schon etwas saisonmüde Personal (es war bereits April) mit Argusaugen. Noch war ich nicht überzeugt vom Winterurlaub…

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Hotelbuffet am folgenden Morgen, holten wir unsere Skitickets und fuhren mit der Gondel nach oben. Und was sich mir dort bot, war eine Offenbarung: strahlend blauer Himmel über breiten fast menschenleeren Pisten und frische, kalte Winterluft. Das Grau der Stadt und der ganze nass-kalte Frust der letzten Wochen war vergessen und die drohende Winterdepression in wenigen Sekunden abgewendet. Jegliche Zweifel, die ich je an die Sinnhaftigkeit von Skiurlaub hatte waren verflogen und ich würde jeden Cent wieder genau so investieren, wie es jährlich Tausende von deutschen Touristen machen – in unvergessliche Skiurlaube.

PS: Unsere Tochter haben wir übrigens Elsa genannt – fast so wie die deutsche Unternehmergattin – und in 18 Jahren darf sie selbst entscheiden, ob sie Ösi oder Piefke sein will. :)

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